Paleochora

Paleochora

KRETA AUF EINEN BLICK

GRÖSSE Kreta ist die fünftgrößte Insel im Mittelmeer, circa 8300 qkm groß, 260 km lang und zwischen 18 und 60 km breit

HÖCHSTE ERHEBUNG Höchster Gipfel ist der Timios Stavros mit 2456 m im Idagebirge, gefolgt vom Pachanes mit 2454 m im Lefka Ori.

EBENEN Größte Ebene mit 140 qkm ist die Messara im Süden Zentralkretas, weitere große Ebenen liegen um Chania und Rethymnon.

BEVÖLKERUNG Mit knapp 600.000 Einwohnern ist Kreta relativ dünn besiedelt, davon wohnen circa 120.000 in der Hauptstadt Iraklion. Die großen Städte Chania, Rethymnon, Agios Nikolaos und Sitia liegen an der Nordküste, einzige große Stadt im Süden ist Ierapetra.

VERWALTUNG Kreta ist einer der 10 Regierungsbezirke Griechenlands, unterteilt ist die Insel in vier Verwaltungsbezirke, die sogenannten Nomoi: Chania (Hauptstadt Chania, Rethymnon (Hauptstadt Rethymnon), Iraklion (Hauptstadt Iraklion), Lassithi (Hauptstadt Agios Nikolaos)

WIRTSCHAFT circa 30% der Gesamtfläche ist wirtschaftlich nutzbar, Hauptexportgüter sind Oliven(öl), Citrusfrüchte und Weintrauben (Wein, Rosinen). Industrie ist nur im kleinen Stil rund um Iraklion zu finden. Haupteinnahmequelle für Kreta stellt der Tourismus dar. Jährlich besuchen circa 1,5 Mio Gäste die Insel.

UNIVERSITÄT Die University of Crete umfaßt fünf Fakultäten in Rethymnon (Sprachen, Philosophie, Soziologie, Psychologie, Pädagogik) und vier in Iraklion (Physik, Mathematik, Chemie, Medizin). In Chania befindet sich die polytechnische Hochschule

KRETA IST ANDERS

Kreta liegt - wie keine andere Insel des Mittelmeeres - im Schnittpunkt von Asien, Afrika und Europa, war historisch immer auch allen Einflüssen dieser drei Kontinente ausgesetzt. Kreta konnte eigenständig überleben, weil es sich ständig dagegen zur Wehr setzte, aber gleichzeitig auch vermittelte. Offenbar hat dies die Mentalität der Kreter dauerhaft geprägt: Ihren berühmten Stolz, aber auch die Freundlichkeit und Offenheit gegenüber dem Fremden, der immer auch als Gast willkommen geheißen wird.

Dies ist jedoch nur die eine, die freundliche Seite der kretischen Münze. Die andere heißt: Freiheit um jeden Preis! und beschreibt die Jahrtausende alte Leidensgeschichte Kretas. Araber aus dem Süden, Türken aus dem Osten, Barbaren aus dem Norden, Römer und Venezianer aus dem Westen haben meist mit härtester Gewalt versucht, Kreta zu beherrschen. Auf Kreta leben heißt darum seit jeher, gegen Fremdherrschaft zu leben. Dutzende von Aufständen bezeugen dies: Die Erde Kretas, so schreibt Kazantzakis, der große Sohn Kretas, ist so rot gefärbt, weil hier so viel Blut für die Freiheit vergossen wurde.

Die Gunst seiner Lage hat Kreta zur Brücke zwischen den Kontinenten und Kulturen gemacht. Doch für Europa spielte Kreta, wie bereits aus der griechischen Mythologie deutlich wird, sicherlich die wichtigste Rolle.

Das Göttergeschlecht der Kroniden stammt der Sage nach vom Idagebirge - noch heute wird dort die Höhle gezeigt, in der Zeus aufgewachsen sein soll. der Sage nach entführte Zeus auch, in Stiergestalt, die phönizische Königstochter Europa nach Kreta - darum hieß Kreta selbst lange Zeit "Europa", ehe es diesen Namen und eine reiche Kultur an die Barbaren im Norden weitergab. Mit Europa zeugte Zeus das Geschlecht der Minoer, von dem Homer berichtet: vom sagenhaften König Minos im Palast von Knossos und seinen Brüdern Sarpedon (im Palast von Malia) und Radamanthis (im Palast von Phaistos).

Damals muß Kreta ein reiches und mächtiges Land gewesen sein, dem andere Inseln, und sogar Athen, tributpflichtig waren. Als der Feldzug der Griechen nach Troja geplant wurde, wurde er von Agamemnon aus Mykene und dem kretischen König Idomeneus gleichberechtigt angeführt. Soweit die Überlieferung.

Verbürgt aber ist: Die von Sir Arthur Evans, dem Entdecker Knossos´, als "minoisch" bezeichnete Kulturepoche stellt die älteste europäische Kultur dar und läßt sich bis ins 3.Jahrtausend v.Chr. zurückverfolgen. Dädalos, der sagenhafte Erfinder des menschlichen Fluges, war Baumeister in Knossos. Die griechische Schrift - und damit auch das europäische Alphabet - hat sich aus der Linear-B-Schrift der Kreter entwickelt. Auch das Rechtswesen stammt aus Kreta, noch heute sind die ersten in Stein gehauenen Rechtsinschriften Europas in Gortys, in der Messara gelegen, zu bewundern. Um 1600 v.Chr. wurde das kretische Reich zerstört, ob durch eine Naturkatastrophe oder von menschlicher Hand läßt sich heute nicht mehr feststellen.

Doch um 1425 v.Chr. wurde Kreta von den Mykenern und später den Doriern erobert. Die Römer machten der Kleinstaaterei der legendären 100 Städte 69 v. Chr. ein Ende, sie waren es auch , die die Insel im großen Stile begannen abzuholzen - für den Bau ihrer Flotte.

Kreta war und blieb aufgeschlossen für alle geistigen Strömungen. Hier landete 59 n.Chr. der Apostel Paulus, von Kleinasien kommend, in Kali Limenes; andere sagen wieder in Agia Rumeli, taufte die ersten Kreter und ließ seinen Begleiter Titus zurück.

Nach 395 gehörte Kreta politisch zum Oströmischen (Byzantinischen) Reich, kirchlich jedoch, wie ganz Griechenland zur römischen Kirche. Doch 824 landeten Sarazenen (arabische Seeräuber)in Matala. Ihr Anführer, Abu Hafs Omar, befahl, alle Schiffe zu verbrennen: denn wer auf Eroberung aus ist, darf nicht an Rückzug denken. Kreta bzw. seine Hauptstadt Rabd al-Kandak, das heutige Iraklion, wurde Ausgangspunkt für zahlreiche Raubzüge in die Ägäis, bis der spätere Kaiser Nikephoros II. Phokas die Araber 961 besiegte. Die arabische Bevölkerung wurde teilweise versklavt oder ins unwirtliche Hinterland umgesiedelt.

Dann tauchten im Jahre 1204 die Kreuzritter auf der Insel auf, raubten und stahlen zusammen, was noch zu stehlen war - und verkauften Kreta danach für lumpige 10.000 Dukaten an die Handelsmacht Venedig. Gegen die Venezianer kam es fast 160 Jahre lang immer wieder zu Aufständen. Erst nach dem Fall Konstantinopels 1453 setzte unter dem Einfluß griechisch-orthodoxer Flüchtlinge eine Nachblüte der byzantinischen Kunst ein. Durch die Verschmelzung mit Teilen der italienischen Renaissance entstand jene berühmte Kretische Schule, deren wohl bekanntester Vertreter der Maler Domenicos Theotokopopoulos, genannt El Greco, war. Sie entwickelte sich auf den Ionischen Inseln weiter und wurde zur Grundlage der neugriechischen Kultur.

Im Jahre 1645 kamen dann die Eroberer aus dem Osten, die Türken! Eine osmanische Flotte landete vor der kretischen Küste. Von den Kretern lange herbeigesehnt, um die verhaßten Venezianer zu vertreiben, doch nach über 20-jährigem Krieg, der die Bevölkerung annähernd um die Hälfte dezimierte und die wirtschaftlichen Grundlagen weitgehend zerstörte, erkannten die Kreter, daß sie den Teufel mit dem Belzebub austreiben wollten. Mit der Kapitulation Candias (Iraklion) beginnt das wohl düsterste Kapitel der kretischen Geschichte. Massive Steuererhöhungen, totaler Raubbau an den natürlichen Resourcen (der Rest der kretischen Wälder wird abgeholzt) und der Versuch jeden Kreter zu islamisieren, kennzeichnen diese Periode. Tatsächlich treten sehr viele dem fremden Glauben bei, da den Konvertierten Steuererleichterung und wirtschaftliche Privilegien angeboten werden. Viele Kreter behalten aber unter diesem Deckmantel ihren alten Glauben und arbeiten im Stillen gegen die neuen Machthaber. Wer bei diesem entwürdigendem Spiel nicht mitmachen will flieht in die Berge und schließt sich den Kleftes (Spitzbuben) an . Vor allem die Provinz Sfakia, mit ihren zum Teil uneinnehmbaren Schluchten und Gipfeln der Weißen Berge, wird zum Zentrum der Partisanen und ihrer blutigen Aufstände gegen die Turkokratie.

Stellvertretend und berühmt für Kampf gegen die Eroberer ist die Geschichte vom Daskalojannis, dem Lehrer Jannis, einem reichen Schiffsreeder aus Anopolis, der sein ganzes Vermögen in den Dienst des Aufstandes stellte. Unter Vorspiegelung von Friedensverhandlungen lockte man ihn nach Iraklion, wo er dann öffentlich vor einem Spiegel gehäutet wurde. Zum Symbol der kretischen Freiheitsbewegung wird 1866 das Kloster Arkadi bei Rethymnon, als sich mehrere hundert Kreter, unter der Führung des Abt Gabriel, selbst in die Luft sprengen und zahlreiche Türken, die gerade das Kloster stürmen mit in den Tod nehmen. "Freiheit oder Tod" haben die Kreter auf ihre Fahnen geschrieben, und sie meinen es ernst.

Erst 1898 wird Kreta frei und autonom unter dem Protektorat der damaligen Großmächte. Prinz Georg von Griechenland wird als Hochkommissar eingesetzt. 1905 putscht sein Justizminister Eleftherios Venezielos gegen den selbstherrlich regierenden Prinz, und am 30.Mai 1913 ist Kreta mit Griechenland vereint.

Knapp 28 Jahre später kommen die bislang letzten Eroberer - deutsche Fallschirmjäger besetzen die Insel und errichten ein brutales Regiment. Es war nicht schwer vorherzusagen, was passieren würde: Kretische Partisanen bieten, unterstützt von der ganzen Bevölkerung und britischen Agenten einem übermächtigen Gegner die Stirn und machen ihn gar zum Gespött der Weltpolitik. Zwei kretische Partisanen kidnappen 1943 den deutschen Befehlshaber der Insel, General Kreipe, und bringen ihn mit britischer Hilfe nach Ägypten. Aber Kreta muß wieder einmal dafür grausam zahlen: ganze Dörfer werden von den deutschen Besatzern dem Erdboden gleichgemacht, oder alle Männer als Partisanen erschossen, darunter Kandanos, Anoughia, Ano Vianos.

Nach 1945 folgt ein erbarmungsloser Bürgerkrieg, der ganz Griechenland erschüttert und auch Kreta nicht verschont läßt. Viele der kommunistischen Partisanen werden von den Regierungstruppen hingerichtet.

Wer heute nach Kreta kommt, wird von diesen Geschichten nur bei genauerem hinsehen etwas wahrnehmen. Doch die Offenheit der Kreter fällt sofort auf. Sie halten viel von Lässigkeit und Lebensfreude, es wird viel erzählt und fabuliert, unermüdlich mit fröhlichem Spott hantiert. Der Ernst einer Situation wird schon dadurch gemeistert, daß man ihn verbal verniedlicht. Der beschwerliche Weg (dromos) wird zum Weglein (dromaki) und der trunkenmachende Wein (krassi) zum Weinchen (krassaki) verkleinert.

ZWISCHEN KÜSTE & GEBIRGE

Kretische Landschaften sind voller Gegensätze und Widersprüche. Die Nordküste zur Ägäis hin ist durch überwiegend flache Küstenstriche gekennzeichnet. Hier verläuft auch die große und einzige Überlandstraße (New National Road) mit 290 km Länge vom Westen (Kastelli-Kissamon) bis in den äußersten Osten (Sitia) und verbindet somit die vier Provinzhauptstädte. Der Norden ist touristisch sehr gut erschlossen, allerdings vermißt man hier schon die Ursprünglichkeit, und vom eigentlichen Kreta ist da nicht mehr viel zu finden. Wer das unberührte Kreta vorzieht, sollte ins Landesinnere vorstoßen und die Südküste für sich erkunden. Der Süden ist vorwiegend steil, steinig und heiß.

Geographisch unterteilt sich die Insel in drei Teile, bedingt durch die drei großen Gebirgsmassive, das Dikti-Gebirge, das Ida-Massiv und das ausgedehnte Gebirgsmassiv der weißen Berge, Lefka Ori. In jedem dieser Gebirge liegen Hochebenen, die wohl berühmteste im Dikti: die Lassithi, im Ida die Nida und im Lefka Ori die Omalos Hochebene.

WESTKRETA

Der Westen Kretas umfaßt den wildesten, gebirgigsten und grünsten Teil Kretas, mit dem Gebirgszug der Weißen Berge, die mit ihren Felsgipfeln das Landschaftsbild beherrschen. Dieser Teil der Insel lädt am meisten zum Wandern ein, egal ob der Küste entlang, durch eine der zahlreichen Schluchten, oder zu den weißen Gipfeln des Lefka Ori. Es gibt aber auch einige wunderschöne, teilweise einsam gelegene Badebuchten, die entdeckt werden wollen. Nur wenige Paßstraßen führen heute zu den Orten an der lybischen See hinunter, Boote sind an der Südküste die wichtigsten Transportmittel.

CHANIA ist die größte Stadt und Hauptstadt der Provinz circa 60.000 Einwohnern, eine Stadt mit Charme und, für kretische Verhältnisse, viel grün. Chania Sie ist eine wohlhabende, gediegene Stadt, in der ein gewachsenes Bürgertum zu Hause ist, das das Leben und die Tradition zu genießen weiß. Die venezianischen und türkischen Häuser in der Altstadtsind oft mit außergewöhnlich gutem Sinn fürs Schöne und mit viel Geld und Geschmack renoviert worden. Besonders sehenswert ist das Viertel um den venezianischen Hafen, der sich hervorragend zum abendlichen Flanieren eignet. Unter anderem sind auch Reste der alten Stadtmauer erhalten, wie auch Relikte aus den verschiedensten Epochen, von den Mykenern über die Römer bis zum Klassizismus des letzten Jahrhunderts. Sehenswert in Chania ist die schönste Markthalle der Insel, die 1913 nach dem Vorbild der Hallen von Marseille erbaut wurde. Täglich, außer Sonntag, werden dort frisches Fleisch, Fisch, Gewürze, Milchprodukte usw. direkt von den Bauern angeboten. Weiters lohnt sich die Besichtigung des Stadtparkes, in dem auch ein kleiner Zoo beheimatet ist. Berühmt ist die Lederstraße Chanias, in der man eine große Auswahl an Lederwaren vorfindet, und wer will kann sich auch ein Paar neue Schuhe oder Stiefel anmessen lassen.

Interessant ist auch ein Besuch in einem der drei Museen der Stadt:

  • das Archäologische Museum in der ehemaligen San Francesco Kirche in der Nähe des Hafens
  • das Nautische Museum am Nordende des Hafens
  • das Historische Museum in der Neustadt, Odos Sfakianaki 20
  • Außerhalb von Chania auf der Akrotiri-Halbinsel lohnen die noch bewirtschafteten Klöster Agia Triada und Guvernetu einen Besuch. Hier befindet sich auch das Grabmal von Kretas bedeutenstem Politiker Eleftherios Venezielos. Und nicht zuletzt wurde hier auch ein großer Teil des Filmes Alexis Zorbas mit Anthony Quinn in der Hauptrolle gedreht, Hauptschauplatz war das kleine Dorf Stavros.

    DIE PROVINZ CHANIA mit ihren Bezirken Selino und Sfakia bietet zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten.

    An der Südwestküste liegt ein südseehafter Strand, dem das kleine Inselchen Elafonissos vorgelagert ist. Im Sommer ist es mit dem kretischen Festland durch einen Sandstreifen verbunden, sodaß das Meer wie eine Lagune wirkt, die in vielen Blau- und Grüntönen schimmert. der durch winzige Muschelteilchen rosa gefärbte Sandstrand bietet Schatten unter Tamarisken und einsame Badeplätze in winzigen Nebenbuchten. Leider leidet dieses Strandparadies unter den Abfällen der griechischen und ausländischen Tagestouristen. Eine Bitte an Sie: nehmen Sie Ihren Müll wieder mit in Ihre Unterkunft oder zumindest bis zur nächsten Mülltonne!

    5 km nördlich dieses herrlichen Fleckens liegt das Kloster Chrissoskalitissa mit leuchtend hellblauem Dach auf einem Felsen über dem Meer. "Goldene Treppe" lautet etwa die Übersetzung des Namens Chrissoskalitissa: die Klostertreppe hat nämlich eine Stufe, die aus reinem Gold bestehen soll. Wer ohne Sünde ist, kann sie sehen..... Bewohnt wird dieses abgelegene Kloster noch - völlig "unorthodox" - von einer Nonne und einem Mönch, die auch das kleine Museum betreuen.

    Wenn man von hier aus der Straße Richtung Norden folgt, kommt man in den Ort Elos. Dieser ruhige, stimmungsvolle Ort besitzt mehr Edelkastanienbäume als Menschen. Am dritten Sonntag im Oktober findet hier das große Kastanienfest statt. Weiter nördlich befindet sich die Grotte derAgia Sofia, mit weißen, bizarren Tropfsteinsäulen. Eine winzige Kapelle ist in den Eingang geklemmt.

    In der näheren Umgebung von Paleochora befindet sich das ursprüngliche Bergdorf Azogires, eingebettet in grüner, wasserreicher Umgebung. Oberhalb des Dorfes liegen im Fels die tiefen Wohnhöhlen der Heiligen Väter.

    An der Südküste entlang Richtung Osten liegt Lissos, eine grüne Oase in einem wasserreichen Tal. Man hat hier Reste einer antiken Hafensiedlung ausgegraben, die eine berühmte Heilquelle und ein Asklepios-Heiligtum besaß. Weiter der Küste folgend kommt man nach Sougia, einer handvoll Häuser in einer weiten Felsbucht, einem Ort, den man noch als typisch kretischen Fischerort bezeichnen kann. Im Hinterland von Sougia liegt eine reizvolle Schlucht, die Agia Irini-Schlucht, die viel weniger bekannt und deshalb weitaus einsamer ist als die Samaria-Schlucht - mit ihr aber durchaus vergleichbar ist.

    Fast schon weltberühmt ist die eben erwähnte Samaria-Schlucht. Sie gilt mit ihren 18 Kilometern Länge als die längste Schlucht Europas. Von über 1200 Metern Höhe mitten in den Weißen Bergen geht es hinunter zum Lybischen Meer! Sie ist eine der großen Naturschönheiten Kretas. Ein Ausflug dorthin bietet einige der schönsten Landschaftseindrücke Kretas: Angefangen vom grandiosen Omalos-Plateau, auf dem sich der Einstieg befindet, bis hin zur Sideroporta, der "Eisernen Pforte", wo die anfangs so breite Schlucht mit ihren 600 m hohen Felswänden auf 3 m Breite zusammenrückt. Sie ist die Heimat einer einzigartigen Flora und Fauna, wie seltenen Orchideenarten, prächtigen Zypressen, kretischen Ahorn und Kermeseichen, sowie der kretischen Wildziege, die sog. Agrimi. 1962 wurde die Samaria-Schlucht von der griechischen Regierung zum Nationalpark erklärt und 1964 kaufte sie allen Privatgrund auf, enteignete die wenigen Bewohner des Ortes Samaria und siedelte sie aus der Schlucht aus.

    Weiter nach Osten gelangt man in das kleine ehemalige Fischerörtchen Loutro, das auf dem Landweg nicht erreichbar ist. Nur Schiffe und Fußwanderer laufen diesen Ort an. Die benachbarten, oft wildromantischen Buchten sind teilweise noch wirklich einsam und ebenfalls nur per pedes oder Fischerboot zu erreichen.

    Nahe dem Ufer erbauten die Venezianer in Frankokastello ein mächtiges Kastell, dessen Mauern noch sehr gut erhalten sind. Kleine, vorgelagerte Sandstrandbuchten, oft von hohem Bambus umgeben, und die schöne Bergkulisse machen Frangokastello zu einem besuchenswerten Ort.

    Die südlichste Insel Europas - Gavdos- liegt 32 Seemeilen vor der Küste Kretas und ist zweifellos eine der ursprünglichsten und ungewöhnlichsten Ecken Griechenlands. Vorherrschende Elemente sind Stille, Wind und Felsen. Im Sommer leben auf diesem nur 37 km² großem Eiland etwa 80 Menschen, im Winter ungefähr die Hälfte. Im Sommer sendet der Staat einen Polizisten und einen Arzt in den Hauptort Kastri. Die Inselbewohner verteilen sich auf insgesamt vier winzige Dörfer. Von Paleochora aus fährt zweimal wöchentlich ein Post- und Versorgungsboot hinüber (wenn es das Wetter zuläßt), das auch Passagiere mitnimmt.

    Strand von Prevelli IN DER PROVINZ RETHYMNON finden wir das nächste landschaftliche Kleinod an der Südküste Prevelli, genauer gesagt den Palmenstrand von Prevelli. Am Ende eines Flußlaufes gelegen, der das ganze Jahr über Wasser führt, gesäumt von einem nahezu subtropisch anmutenden Dschungel aus Dattelpalmen, Eukalyptus und Oleander, präsentiert sich der weiche, weiße Sandstrand als kleines Paradies, eingeschlossen von turmhohen Felswänden. Bis vor einigen Jahren noch als Geheimtip gehandelt, von einigen "Teilzeit"-Aussteigern die Sommermonate über bewohnt, konnte dieser wunderschöne Fleck Erde nicht länger geheim bleiben. Oberhalb des Tales befinden sich zwei Klöster, ein altes verfallenes und eines, das noch bewirtschaftet wird.

    An der Abzweigung der National Road im Norden nach Chora Sfakion liegt ein schattiger kleiner Ort namens Vrisses. Die mächtigen alten Platanen am meist ausgetrockneten Dorfbach bilden einen idealen Rastplatz voller Schatten. Örtliche Spezialitäten sind Schaffleisch vom Holzkohlengrill und milder Schafsjoghurt mit Honig.

    In der Nähe von Georgioupolis an der Nordküste befindet sich der einzige Süßwassersee Kretas, der See von Kournas. Im und am See leben Krabben, Schildkröten und ein paar Enten. Der See ist ein beliebtes Wochenendausflugsziel der Bewohner von Chania und Rethymnon.

    RETHYMNON, die Hauptstadt der Provinz Rethymnon, ist eine stimmungsvolle, sympathische Kleinstadt, deren Altstadt mit vielen Minaretten und Moscheen, engen Gassen und weiten Plätzen, Häusern mit typisch türkischen Holzerkern und Teilen der Stadtmauer noch gut erhalten ist. Diese Altstadt nimmt eine Halbinsel ein, an deren Spitze sich ein mächtiges venezianisches Fort ausbreitet. Ebenso bekannt ist Rethymnon für seinen romantischen venezianischen Hafen.

    Kulturell entfaltet die Stadt eine Reihe von Aktivitäten. Hier ist auch die philosophische Fakultät der Universität von Kreta beheimatet. Im Sommerhalbjahr bemüht man sich erfolgreich um Gastspiele griechischer und ausländischer Musik- und Theatergruppen.

    Sehenswert sind unter anderem der Arimondi-Brunnen, das Fortezza aus dem 16.Jht., die sog. Loggia, das Versammlungshaus des venezianischen Adels, die Porta Guora, ein ehemaliges Stadttor sowie natürlich der venezianische Hafen.

    Östlich von Rethymnon befindet sich das Kloster Arkadi, es ist schon fast eine Art Heiligtum oder Pilgerstätte. Die heutige Anlage stammt aus dem 16./17.Jht., aber wahrscheinlich stand hier bereits fünfhundert Jahre früher eine Kirche oder ein Kloster. Für die Kreter ist es das wichtigste Bauwerk der Insel - eine ständige Mahnung und Erinnerung an die furchtbare Zeit der Türkenherrschaft und den Heldenmut der Vorfahren. Äußerlich eher unscheinbar, hat sich hier eine der grausigsten Tragödien des kretischen Freiheitskampfes abgespielt. Am 9.Nov.1866 begingen hier hunderte von Männern, Frauen und Kindern gemeinsamen Selbstmord, um nicht den anstürmenden türkischen Truppen in die Hände zu fallen. Obwohl die Nachricht von dem schrecklichen Ereignis viele Menschen in aller Welt aufrüttelte, dauerte es noch über 30 Jahre, bis die Insel endlich mit Hilfe der Großmächte vom türkischen Joch befreit wurde. Kloster Arkadi ist das Symbol für den unbedingten Freiheitswillen der Kreter. Der Besuch lohnt sich nicht wegen irgendwelchen spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern allein aus diesem Bewußtsein heraus.

    ZENTRALKRETA

    DIE PROVINZ HERAKLION ist mit der Hauptstadt, dem höchsten Gebirge, der größten Ebene, der stärksten Bevölkerungsdichte und den wichtigsten archeologischen Fundstätten das Herz der Insel. Iraklion ist wegen seines guten Hafens und seiner zentralen Lage in unserem Jahrhundert zum Wirtschaftszentrum der Insel geworden. In seiner Umgebung haben sich Kretas wichtigste Industriebetriebe angesiedelt. Die Nordküste zwischen Agia Pelagia und Malia ist das größte Fremdenverkehrsgebiet der Insel mit einer hohen Konzentration großer Hotels. 90% aller Urlauber landen in Iraklion, sei es mit Charterflug oder mit einer der täglichen Fähren von Piräus.

    Das hügelige Hinterland an der breitesten Stelle Kretas ist völlig vom Weinbau geprägt, eines der größten zusammenhängenden Weinbaugebiete Griechenlands und reicht bis an die Messara-Ebene heran, die Kornkammer der Insel. Zentralkreta war schon zu minoischen Zeiten bedeutendstes Siedlungszentrum. Hier standen die Paläste von Knossos, Malia und Festos sowie zahlreiche Gutshöfe und Villen.

    An der Südküste liegen einige der beliebtesten Badeorte und schönsten Strände Kretas - allen voran der legendäre ehemalige Hippie-Treffpunkt Matala und der Fischerhafen Agia Galini.

    HERAKLION ist Kretas größte Stadt, zugleich Hauptstadt ist zwar nicht schön, hat aber trotzdem Atmosphäre und ist interessant - auch wenn aus der bewegten Vergangenheit wenig erhalten geblieben ist. Die Sehenswürdigkeiten liegen fast alle innerhalb der weitgehend noch gut erhaltenen venezianischen Stadtmauer. Sie ist 5 km lang, mit sieben Bastionen und vier Toren gespickt und widerstand 21 Jahre allen türkischen Angriffen, bis Iraklion 1669 erobert wurde. An der Martinengo-Bastion hat der berühmteste kretische Dichter und Schriftsteller Nikos Kazantzakis seine letzte Ruhestätte gefunden. Wegen seiner scharfen Kirchenkritik wurde er exkommuniziert und die griechisch-orthodoxe Kirche verweigert ihm bis heute ein Grab auf dem Friedhof. Stolz, aber auch tiefe Einsamkeit und Trauer über das Unverständnis der Mitmenschen spricht aus seinem Spruch, der in eine kleine Tafel gemeißelt ist: "Ich erhoffe nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei." Mittelpunkt des historischen Zentrums ist die Platia Venezielou mit dem Morosini-Brunnen, das Wahrzeichen der Stadt. Er wurde vom venezianischen Stadthalter Francesco Morosini gestiftet, um die Wasserversorgung der Stadt zu verbessern. Von hier sind es nur ein paar Schritte zum El Greco Park, der geschäftigen Fußgängerzone, in die vor Menschen berstende Marktgasse, an deren Ende der venezianische Bembo-Brunnen steht, zum weitläufig, grünen Eleftherias-Patz und ins weltberühmte Archäologische Museum mit der einzigartigen Sammlung minoischer Kunst - ein Muß bei einem Besuch der Stadt. Zum Flüchten und Überblick gewinnen bietet sich ein Bummel am Fischerhafen mit seinem bulligen venezianischen Kastell an.

    KNOSSOSS

    Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt die einzigartige Ausgrabungsstätte der rätselhaften Palastanlage des sagenhaften König Minos, eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Frühgeschichte.

    In über 30 Jahren mühevoller Kleinstarbeit wurde das riesige Areal Anfang des Jahrhunderts von Sir Arthur Evans freigelegt. Was tief in der Erde Kretas geruht hatte, war eine echte Sensation und übertraf die kühnsten Erwartungen aller Forscher - der schlagende Beweis für die Existenz einer hochentwickelten Zivilisation lange vor der klassischen Antike Griechenlands. Der Palast von Knossos war und ist noch immer Anlaß zu zahlreichen Mutmaßungen, Spekulationen und Theorien. Von überdimensionaler Grabanlage über Kultheiligtum bis zu der - am ehesten zutreffenden - Annahme, daß Knossos eben eine Palastanlage sei (ein Herrschafts- Verwaltungs- und Kultzentrum), geht das Spektrum der verschiedensten Meinungen, über die Aufgabe und den Sinn der minoischen Funde.

    Die Größe der Anlage beträgt 22.000 m², weit über 1.000 Räume und bis zu vier Stockwerke hoch - völlig unbefestigt, ein Symbol für die allen Anzeichen nach absolut friedvolle Zeit der Minoer. Ihre Schiffe beherrschten souverän das gesamte östliche Mittelmeer, Mauern hatten sie nicht nötig. Hier soll der Legende nach auch der Minotauros in sein Labyrinth eingesperrt gewesen sein.

    Einige Kilometer östlich von Heraklion liegen die Ruinen des minoischen Palastes von Malia. Der Ort Malia selbst gehört zu jenen immer mehr ausufernden Badeorten der Nordküste, die mit Kreta selbst nicht mehr viel gemeinsam haben.

    Südwestlich von Heraklion, im Idagebirge gelegen, befindet sich das Dorf Anogia, das während des 2. Weltkrieges traurige Bekanntheit erlangt hat. Im Zuge einer Vergeltungsaktion im August 1944 wurden hier alle männlichen Einwohner von einem deutschen Wehrmachtskommando als Partisanen exekutiert. Anogia ist das größte kretische Bergdorf, weit ausgebreitet zwischen einem Kranz karger Bergrücken. Einige der besten Musikerfamilien stammen von hier (Xilouris, Skoulas). Hier geht auch die Straße zum Nida-Plateau ab, auf dem sich die Höhle befindet, in der Zeus vor seinem gefräßigen Vater versteckt wurde.

    Südöstlich von Iraklion, schon in der Provinz Lassithi, ist die dritte große Hochebene Kretas gelegen, nämlich die Lassithi. Bekannt ist sie für ihre weißen Windräder, die früher Wasserpumpen betrieben haben, doch mit Einzug der modernen Technik immer mehr von Dieselmotoren verdrängt wurden. Leider ist so ein Windrad heute nur mehr ein seltener Anblick geworden. Trotz steigendem Tourismus ist die Lassithi noch immer ein typisches Bauernland geblieben, die Bewohner sind einfach und natürlich. Hier befindet sich auch die bekanntere der beiden Zeus-Höhlen, die Psichiro-Höhle, die als Geburtsort für den Gott-Vater diente.

    Von Iraklion aus in den Süden kommt man in die Messara-Ebene, der größten Kulturlandschaft Kretas. 40 km lang und 12 km breit, wird sie im Norden vom Ida und Dikti begrenzt, im Süden von den kahlen Asterousia-Bergen. Hier liegen ebenfalls bedeutende Ausgrabungsstätten. Der Palast von Festos und der kleinere von Agia Triada aus minoischer, die Ausgrabungen von Gortys, in der Nähe von Agii Deka, aus römischer Zeit. Die Römer machten Gortys zu ihrer Hauptstadt der Insel. Am westlichen Ende der Messara liegt auch der längste und einer der schönsten Strände Kretas, der Strand von Komo. Hier war auch der minoische Hafen des Palastes von Festos. In südlicher Richtung hinter einer riesigen Felswand liegt Matala, der legendäre Hippie-Ort der späten 60er und frühen 70er Jahre mit seinen eindrucksvollen Höhlenwohnungen aus der Jungsteinzeit. Am nördlichen Rand der Messara, am Fuße der Rouwas-Schlucht gelegen, befindet sich einer der wasserreichsten Orte der Insel, Zaros. Hier hat vor einigen Jahren ein einheimischer Landwirt die Idee gehabt, eine Forellenzucht aufzubauen. Anfangs waren die Kreter eher skeptisch - Fisch der nicht heimisch ist und nicht aus dem Meer kommt - doch mittlerweile ist Zaros eine vielbesuchte Attraktion.

    Westlich der Messara liegt das ehemalige Fischerdörfchen Agia Galini. Mittlerweile vom Massentourismus überrannt, bietet es aber trotzdem noch die Athmosphäre, wegen der die ersten ausländischen Gäste vor Jahren gekommen sind. Von Agia Galini weiter Richtung Rethymnon, kommt man durch eine wahre "Gartenstadt", Spili. Gesegnet durch zahlreiche Quellen oberhalb der Stadt, sprudelt aus einem Venezianischen Löwenbrunnen mit 19 Löwenköpfen bestes Trinkwasser. Der Ort strahlt in üppigstem Blumenschmuck und Grün und zahlreiche gemütliche Tavernen laden zur Rast ein.

    OSTKRETA

    DIE PROVINZ LASSITHI mit der Hauptstadt Agios Nikolaos bietet außer der Lassithi-Ebene auch noch ein paar andere landschaftliche Höhepunkte. Das Dikti-Massiv mit der Lassithi-Hochebene schiebt einen abrupten Riegel zwischen das Zentrum und den schmalen, großteils, kargen Osten der Insel.

    Die Mirabello-Bucht an der Nordküste ist zum Beispiel sehenswert. Zergliedert in zahlreiche kleine Buchten, wird dieser Küstenabschnitt auch die kretische Riviera genannt. Hier liegt auch die Provinzhauptstadt Agios Nikolaos. Trotz boomendem Tourismus hat sich der Ort seine Atmosphäre erhalten können, fantastisch gelegen, auf einer weit ins Meer vorspringenden Halbinsel, mit großartigem Panoramablick auf die gewaltige Steilküste der Mirabello-Bucht. Im Zentrum liegen einige schattige Alleestraßen, und bekannt ist der fjordartig tief eingeschnittene Hafen mit dem dahinterliegenden dunkelgrünen Binnensee, der durch einen 61 Meter langen Kanal mit dem Hafenbecken verbunden ist. Dieser Kanal wurde 1867-71 von den Türken erbaut. Heute ist er flankiert von einer langen Reihe von Cafes.

    Im Nordwesten der Mirabello-Bucht liegt die Insel Spinalonga, ein steiler Festungshügel im Meer, mit massiven Bastionen rund herum. 1669 fiel Kreta an die Türken, doch diese Festung konnten sie nicht erobern - erst 1714 übergaben die Venezianer Spinalonga. Von 1903 bis 1954 war die Insel Verbannungsort für alle kretischen Leprakranken. Innerhalb der Mauern renovierten sie die zerfallenen türkischen und venezianischen Häuser. Im Laufe der Jahre entstand ein richtiges kleines Dorf mit Kafenia, kleinen Geschäften und zwei Kirchen.

    Unmittelbar an der Küstenstraße, östlich von Agios Nikolaos, liegt die Ausgrabung der minoischen Stadt Gournia, die größte und wichtigste, die man bisher auf Kreta fand. Nach dem, was hier gefunden wurde, muß Gournia ein großes Handwerkszentrum gewesen sein. Das Gewirr von gepflasterten Gäßchen und kleinen Häusern erinnert sehr an ein Bergdorf im heutigen Kreta.

    Weiter der Küste entlang Richtung Osten kommt man in die kleine Stadt Sitia. Wie die Stufen eines Amphietheaters drängen sich die weißen und pastellfarbenen Häuser terassenförmig um die sanft geschwungene Hafenbucht. Schmale Treppengassen durchbrechen rechtwinkelig die langen Parallelstraßen im Stadtkern. Sie ziehen sich den Berghang hinauf bis zum markanten venezianischen Kastell.

    Weiter auf den Weg in den äußersten Osten der Insel kommt man an einem der bedeutendsten und meistbesuchten Klöster Kretas vorbei, Moni Toplou. Einsam und wuchtig steht es in der kahlen Felswüste. Je näher man kommt, detso eher wirkt es wie eine mittelalterliche Burg. Das Kloster besitzt große Ländereien und ist im Gegensatz zu vielen anderen Klöstern der Insel, materiell gut abgesichert. Das Kloster ist heute völlig auf Fremdenverkehr eingestellt. Wahrscheinlich wurde es im 15.Jht. unter der venezianischen Herrschaft erbaut. Seine Geschichte war immer eng verbunden mit der Geschichte des kretischen Freiheitskampfes, ständig auf Widerstand gegen Eroberer jeder Art eingestellt.

    Im äußersten Nordosten der Insel gelegen, drängt sich ein Meer von hohen grünen Dattelpalmen zwischen den Felsen weit ins Hinterland. Davor eingebettet liegt ein wunderbarer Strand mit feinem Sandkies, der Palmenstrand von Vai - ein Naturwunder, üppige Vegetation in steiniger Einöde, Palmenrauschen und Südseefeeling. Der Legende nach entstanden durch achtlos weggeworfene Dattelkerne arabischer Piraten, die in der Bucht von Vai gelandet sind. Die neuere Geschichte Vais ist exemplarisch für so viele schöne Flecken. Vor zwanzig, dreißig Jahren noch unbekannt, verirrten sich nur gelegentlich Reisende in den Osten Kretas und berichteten staunend von dem großen Palmenstrand. Es folgten die Hippies und Teilzeitaussteiger, manche blieben Wochen, manche Monate. Innerhalb von kurzer Zeit verwandelte sich der wunderbare Strand in eine Müllkippe. Bis die Behörden reagierten - die ganze Palmenoase wurde unter Naturschutz gestellt, ein Zaun gezogen, Betreten verboten! Heute darf man nur noch den Strand benutzen und sich unter eine Handvoll Palmen legen, die außerhalb der Umzäunung stehen.

    Von Vai in den Südosten kommt man nach Kato Zakros, über die alte Straße durch das berühmte Tal der Toten, deshalb so genannt, weil hier die Minoer in den zahlreichen Höhlen entlang der Schlucht ihre Toten beisetzten. Kato Zakros selbst ist eine traumhafte Bucht - zu Terrassen erodierte Tafelberge fallen schroff ins tiefblaue Meer ab, dazwischen liegt ein wunderbarer Sand/Kiesstrand. Ungefähr hundert Meter hinter dem Strand findet man die Ausgrabungen vom Palast von Zakros. Er ist der kleinste der minoischen Paläste Kretas. Er beherbergte einen der ersten Metallschmelzöfen der Weltgeschichte.

    An der Südküste gelegen, ist die Bezirksstadt der Region, Ierapetra; nicht besonders attraktiv, am Westende begrenzt durch ein venezianisches Kastell. Lohnenswert ist ein Bummel durch die labyrinthisch angelegten Gassen der Altstadt. Angeblich hat Napoleon auf seinem Ägyptenfeldzug hier in der Stadt Station gemacht. Das schlichte Haus, in dem er übernachtet haben soll, steht noch in einer kleinen Seitengasse in der Altstadt. Das Umland von Ierapetra ist geprägt von aberdutzenden von Plastikgewächshäusern, die wirtschaftliche Grundlage der Region.

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