Paleochora

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ÖLBAUM UND OLIVE

Eine so bedeutende Kulturpflanze wie der Ölbaum forderte schon in der Antike dichterische Huldigung heraus. Noch heute beschreiben ihn Dichter in poetischen Worten, wie zum Beispiel Erich Kästner:

"Es gibt keinen Baum, dem man Geduld, Bemühung so ansieht wie ihm. Da steht er auftrockener Erde, harrend und tragend, und seiner Weisheit gelingt es, aus dem Dürren den Saft zu ziehen, der den Alten heilig war: Speise, Reinigung, Duft und Licht der stillbrennenden Lampen und Opfer. Noch etwas: ein Ölzweig - Sinnbild des Friedens."

Vielleicht werden auch Sie diesen Frieden spüren, wenn Sie durch die Landschaften Kretas fahren, die durch zahlreiche Olivenhaine geprägt sind. Und Wanderungen auf dieser Insel zählen bestimmt zu den schönsten Urlaubserlebnissen.

Auf Kreta wachsen circa 25 Mio Olivenbäume, ungefähr ein Fünftel aller Ölbäume Griechenlands. Die Bäume sind oft Jahrhunderte alt, denn ein Ölbaum bedeutet eine Investition in die Zukunft. Erste Früchte trägt er nach ungefähr zwölf Jahren, nennenswerte Erträge wirft er erst nach vierzig Jahren ab. Dafür kann er aber auch noch nach zwei- oder dreihundert Jahren bis zu 300 Kilo Oliven jährlich tragen.
Mittlerweile gibt es aber auch eine Hybridenzüchtung, die nach drei, vier Jahren schon nennenswerte Erträge bringen, aber auch große Nachteile mit sich ziehen: sie müssen bewässert werden, was die herkömmliche Art nicht benötigt, und man wird nie einen Baumertrag von 300 Kilo jährlich erzielen können.
Längst werden nicht mehr alle Früchte geerntet, verwildern manche Haine, weil die Arbeitskräfte fehlen oder zu teuer sind. Dabei stellt der Ölbaum eine ideale Ergänzung zum Saisongeschäft Tourismus dar: reisen die letzten Gäste Ende Oktober ab, beginnt die Arbeit im Olivenhain, kehren die Fremden im April zurück, ist sie abgeschlossen.

Für die Ernte muß zuerst der Boden unter den Bäumen gereinigt werden,bevor die Auffangnetze aus Nylon unter ihnen ausgebreitet werden können. Mit Stangen werden die reifen Oliven von den Bäumen geschüttelt und danach, meist von Frauen, eingesammelt.
Nach der Ernte wird ein kleiner Teil der Oliven in Salzwasser eingelegt, der größte Teil wird in einer der vielen kleinen Ölpressen zu hochwertigem kaltgepreßten Öl weiterverarbeitet. Dabei werden die privaten Unternehmer noch überwiegend in Naturalien entlohnt: ihnen stehen 10% des gepreßten Öls zu.

ALS GOTTVATER ZEUS AUF DIE ERDE KAM

Eines Tages kam Gottvater Zeus auf die Erde um nachzusehen, wie es um die Nächstenliebe der Menschen bestellt wäre. Er verkleidete sich als Bettler und ging von Tür zu Tür.
Doch leider wurde er überall barsch abgewiesen. Gottvater Zeus war daraufhin ganz verzweifelt und wollte sein Vorhaben schon aufgeben.
Plötzlich sah er jedoch ein kleines Haus - in jenem Haus wollte er sein Glück noch ein letztes Mal versuchen. Er klopfte an, und ein altes Ehepaar empfing ihn sehr freundlich. Die beiden alten Menschen gaben ihm alles, worum er bat und boten ihm sogar ihr eigenes Bett zum Schlafen an.
Zeus freute sich sehr über diese Großzügigkeit und Gastfreundschaft. Er beschloß, sich am nächsten Tag dem alten Ehepaar als Gottvater zu erkennen geben. Zeus stellte ihnen aus Dankbarkeit einen Wunsch frei. Doch die beiden alten Menschen waren mit ihrem bescheidenen Dasein zufrieden und glücklich - und äußerten keinen Wunsch.
Doch Zeus wollte sie nicht verlassen, ohne ihnen einen Wunsch zu erfüllen. So meinten die beiden, daß der Tag wohl einmal kommen würde, an dem sie sterben müßten und sie sich nichts sehnlicher wünschten, als gemeinsam friedlich zu sterben.
So kam auch der Tag, und die beiden alten Leutchen schliefen beide engumschlungen ein. Man sagt, daß auf dieser Stelle der erste Olivenbaum gewachsen sei.

Ja, und sehen Sie einmal genau hin.....vielleicht können Sie in dem gewundenen Stamm des Olivenbaumes noch die Umarmung der beiden alten Menschen erkennen........!?

FÜR EINEN LITER OLIVENÖL werden 2000 bis 2500 Oliven, bzw. 4 - 5 Kilo Früchte verarbeitet.

Bei der Ölgewinnung gibt es zwei verschiedene Verfahren.

Beim modernen Extrationsverfahren werden die Früchte zunächst zu einem Brei zerkleinert und dann mit einem chemischen Mittel übersprüht, das das Öl herauslöst. Anschließend wird es gereinigt. Da die Ausbeute bei diesem Verfahren groß ist, kann das Öl relativ preiswert verkauft werden. Außerdem bleibt es lange haltbar und ist geruchsneutral.

Bei der traditionellen Methode gibt es zwei Varianten: beim Heißpressen wird der Früchtebrei erhitzt und unter hohem Druck ausgequetscht. Besseres Öl gewinnt man beim Kaltpressen, bei dem der Druck niedrig gehalten und die Erhitzung des Breis bei 50 Grad Celsius gestoppt wird. Dieses Öl muß anschließend nicht raffiniert werden, behält also alle Geschmacks-, Geruchs- und Fettstoffe. Deshalb ist es ernährungsphysiologisch gesehen am wertvollsten. Allerdings ist es nur begrenzt haltbar und auch teurer als raffiniertes Öl.

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